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Wo soll das noch hinführen?

Dass die Corona-Krise nur der Prolog für die Wirtschaftskrise der 2020er Jahre sein würde, hatte ich nicht geahnt. Und gegen die aktuelle Bedrohung helfen weder AHA-Regel noch Injektion. Wir sind auch keineswegs alle gleich – vor dem neuen Ungeheuer mitten unter uns. Ihr ahnt es: Ich spreche von Inflation. Lange hatte meine 1932 geboren Mutter die Millionen-Scheine einer solchen Finanzkrise  aus dem letzten Jahrhundert aufbewahrt.  Sie hatte einige davon als Dekoration an Faschingshüte genäht. Die dicken Geldstapel zu zählen und uns vorzustellen, wie Brotlaibe mit 10 000 Reichsmark bezahlt wurden, fanden wir als Kinder faszinierend absurd und sehr weit weg von dem, was wir je erleben würden. Dachte ich damals…

Unternehmerlohn wegmogeln? Wie lange hilft das….

Und nun bin ich selbst 55 und schummle aus meinen Exceltabellen meine eigenen Arbeitsstunden am Herd und beim Wareneinkauf weg, damit der Händler-EK noch irgendwie darstellbar bleibt. Ich will nicht untergehen müssen, weil meine Kundinnen und Kunden ihr Geld in zunehmendem Maße für „das Wesentliche“ einsetzen müssen.  Aber ich mache mir auch nichts vor: Unsere pikanten Früchtchen sind nun mal das i-Tüpfelchen auf den Käseplatte und keine Sättigungsbeilage! Wenn es also darum geht, eine vier- oder fünfköpfige Familie aus der Haushaltskasse beim Abendbrot sattzubekommen, dann stehen wir wahrscheinlich ziemlich weit oben auf den Streichliste. Und wie lange wird der Mittelstand noch Einladungen für Freunde und Familie geben, wenn immer und immer mehr Geld schon für das Alltägliche benötigt wird? Werden wir uns noch Geschenke und Mitbringsel leisten?

Vielleicht könnt Ihr das Gejammer der kleineren Firmen und kleinen Mittelständler nicht mehr hören. Es klingt zugegeben redundant, wenn die Winzer ständig erzählen, dass die Kartons für den Weinversand nicht lieferbar seien und wenn doch, dann mit 40 % Preisaufschlag. Und ja, auch über Glaspreise unterhalten wir uns in der Feinkostbranche ständig. Ohne auch nur ein Wort darüber zu verlieren, berechnet mein Glaslieferant 35 % mehr als im Vorjahr.

Erste Welt – 105 Prozent Preisaufschlag bei Wareneinsatz!

Unser Himbeerhändler druckste zumindest ein wenig herum, als ich vor drei Wochen die ersten 60 kg für diese Saison bestellte. Aber da lag den Preisaufschlag gegenüber 2021 auch bei 105 %! Käsemarmela.de hat bisher in sechs Jahren nur ein einziges Mal den Händler-EK erhöht – um 5 %. Aber nun müssen auch wir versuchen, etwas von den immensen Kostensteigerungen durchzureichen, weil sonst der Abendbrottisch für meine Familie nur noch aus Ersparnissen für meine Rente bestritten werden kann. Diesen Topf will ich mit 55 noch nicht angreifen müssen.

Während wir im Frühjahr 2020 in einer fast angehaltenen Zeit lebten, rast 2022 das Leben geradezu. Bestellzeitpunkte und Abwägung von Vorratshaltung als permanente Mahner im Kopf. Sie entziehen dem wunderbaren Moment der handwerklichen Herstellung und Verarbeitung unserer fruchtigen Käsebegleiter die Achtsamkeit.  Wer bereits vor zwei Jahren die Chance genutzt hat, aus der Unterbrechung von Lieferketten den Schluss zu ziehen, dass mehr Versorgungsautonomie leistbar ist, der ist nun im Vorteil.  Und lebt vielleicht mit weniger Angst. Natürlich muss ich einräumen, hier Dinge zu beklagen, die mich nicht mein Leben kosten werden, aber vielleicht die wirtschaftliche Existenz. Selbstredend weiß ich, dass die blockierte Kornkammer in der Ukraine viel Schlimmeres zeitigt als überhöhte Preise.

Dritte Welt – Hungersnöte wegen blockierter Kornkammern

Wegen Blockaden von Schwarzmeerhäfen können mehr als 23 Millionen Tonnen Getreide und Ölsaaten nicht exportiert werden, schrieb die Süddeutsche Zeitung vor wenigen Tagen. Auf dem Landweg über Polen verlassen monatlich maximal 1,5 Tonnen die Ukraine, statt der notwenigen 5 Tonnen. In Afrika und im Nahen Osten bedeutet das in Folge den Hungertod von Hunderttausenden Menschen.

Die globalen Zusammenhänge kann ich versuchen zu verstehen, aber ich kann sie mit meinen Mitteln nicht auf direktem Wege ändern. Deshalb will und werde ich weiter in meiner kleinen Welt versuchen so fair, nachhaltig, verantwortungsbewusst und freudvoll wie möglich zu wirtschaften. Wer uns dabei weiter unterstützen mag, findet die pikanten Früchtchen aktuell im guten Feinkost- und Käsefachhandel  und bei unseren beiden Online-Partnern (siehe unten).

Wir hoffen sehr, dass das Covid-19-Motto #supportyourlocals auch der Inflation ein bisschen trotzen kann und wird…. Aber noch mehr, dass Herr Putin den sicheren Seeweg für Getreideexporte bald freigibt ohne die eigene Kriegskasse mit den dann möglichen Lieferungen zu füllen…

Onlineshop der Sennerei Lehern 

Online-Shop der Esslinger Zeitung, als Onlineshop speziell für Manufakturprodukte aus dem Raum Esslingen/Stuttgart

gut-es.de

 

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